Schon mit 5 Jahren bestaunte ich das Radio meiner Eltern und verstand nicht, dass man den Sprecher, geschweige das Orchester hinten drin nicht sehen konnte. Mit 10 Jahren hörte ich auf dem 40m-Band (damals noch in Amplidudenmodulation, AM) Amateurfunker. Das fesselte mich.

 

Inzwischen hatte ich herausgefunden, dass es denVerein Deutscher Amateur Radio Club, DARC gibt. In dem 15 Fahrradkilometer entfernten Lage/Lippe war der nächste Ortsverband mit dem Ortskenner N26. Mit 14 Jahren durfte ich dort eintreten. Trotz Regen oder Schnee fand ich es immer hochinteressant, den alten Amateurfunkern zuzuhören. Da gab es noch alte Kriegsveteranen, die mit Bleistiftstrichen auf Pappe Widerstände, aus Papier und Stanniolpapier Kondensatoren und sogar Röhren selbst hergestellt haben. Not macht erfinderisch. 

 

Es folgten kleine Sendeversuche mit der Röhre ECC85 auf UKW sowie eine Konverterschaltung für das 80m - Band. Nach der bestandenen Lizenzprüfung habe ich 1967 mit 18 Jahren endlich mit einem selbstgebauten 80/ 20m SSB-Röhrentransceiver mit den Endröhren 2 x 6146 und 180 Watt Input (nach DJ4ZT) und einer 15m hohen Dipolantenne im Garten erste QSOs fahren dürfen. Das hat mir viele schlaflose Nächte und damit ein paar schlechte Schulnoten eingebracht.

 

Es hat aber gereicht um Radio- und Fernsehtechniker zu lernen. Inzwischen wurde der OV Lage aufgelöst und der OV Bad Salzuflen (N30) gegründet, dem ich dann angehörte. Durch Harald, DC6LC trat ich auch in die AGAF (Arbeitsgemeinschaft Amateurfunkfernsehen) ein. Die Faszination für die drahtlosen Radiowellen ließ mir keine Ruhe, so dass ich an der Ingenieurschule in Lemgo Elektrotechnik (Schwerpunkt Nachrichtentechnik/ Regelungstechnik) studierte. Leider musste ich zwischendrin zur Bundeswehr. Dort durfte ich aber in der Funkwerkstatt dienen, was ein kleiner Ausgleich war. Durch diese Unterbrechung war ich völlig aus dem Stoff herausgekommen, sodass ich nach der Rückkehr ins Studium die Grundlagenfächer erneut gehört habe. Das hat mir zu einem vorteilhaften Notenschnitt verholfen. Mein Abschluss lautete noch "Ing. (grad.)", aber durch das Nachdipolomierungsverfahren mutierte ich zum Diplomingenieur. Wegen der damals herrschenden Energiekrise (1975) fand ich keinen Job in der Radio- Fernsehindustrie. Dort wäre ich gerne in die Entwicklung gegangen. Aber mit meinem anderen Schwerpunkt Regelungstechnik kam ich erfolgreich in der Kraftwerksindustrie unter. Zunächst habe ich dort Automatisierungstechnik in Betrieb genommen.  

 

In dieser Zeit als Inbetriebnahmeingenieur hatte ich einen damals modernen bereits volltransistorisierten Transceiver mit 180 Watt Input (Atlas 210x) im Auto. Die aus einer Angelrute selbstgebaute Mobil-Wendelantenne endetet genau bei 3,95 m über dem Straßenniveau. Das hat mir viele DX-QSOs aber auch Gespräche mit der Polizei beschert. Einmal hatte ich meine Fahrzeugpapiere vergessen und musste sie zur Wache bringen. Nachdem der Beamte die führerscheinähnliche Lizenzurkunde aufmerksam studiert hatte, fiel ihm meine Sondergenehmigung zum Amateurfunkfernsehen auf. Er sei auch technikinteressiert und wir haben bestimmt eine Stunde lang über das Thema gesprochen. Mit dem Ergebnis, dass er weder meinen Führerschein gesehen noch mir ein Verwarnungsgeld abgeknöpft hatte. Mein schönstes Funkerlebnis war auf Kurzwelle-mobil. Es war um 1970 herum auf dem 15 m-Band. Ich fuhr mit dem Auto in der Nähe von Frankfurt/Main auf der Autobahn und bekam Kontakt mit einer Mobilstation von der Alaska-Highway in USA. Wir hatten uns beide rauschfrei gehört. Ein tolles Erlebnis. So auch auf dem 80 m-Band mit der schwedischen Station SM5DYI/m, die in Nordschweden unterwegs war.

 

Nach 5 Jahren Außendienst übernahm ich einen stationären Job. So kam ich wegen beruflichem Ortswechsel nach Mainz und trat dem OV Mainz (K07) bei, war aber eher inaktiv. Nach einem Autowechsel kam ich auch nicht mehr dazu den Atlas-Transceiver wieder einzubauen. Familiäre und berufliche Aufgaben banden mich so sehr, dass ich über das Lesen der CQ-DL (früher DL-QTC) nicht mehr hinauskam. 2003 trat ich aus dem DARC aus und dachte, ich kann auch ohne Amateurfunk leben. 2009 kam ich in den Genuss der Altersteilzeit und durfte im Alter von 60 Jahren zu Hause bleiben.

 

Wir waren zum Fahrradurlaub an den Bodensee gefahren und in Friedrichshafen fand die HAM-Radio statt. Ich war noch nie dort gewesen. Das wollte ich mir ansehen. An der Eingangskasse erkenne ich von hinten die Silhouette von Walter, DL4MGR, einem ehemaligen Arbeitskollegen, der durch mich zum Amateurfunk gefunden hatte. Seit  Jahren hatten wir uns nicht mehr gesehen. Das war vielleicht eine Überraschung! Im Gewühl der Ausstellungshalle kam ein weitere Nostalgiewelle auf mich zu: Rolf, DL2CY, Studienfreund und OV-Kollege in N30 steht an einem SDR-Stand. Ich hatte ihn gefühlte 40 Jahre lang nicht mehr gesehen. Er hatte sich trotzdem nicht verändert. Ich fixierte ihn mit meinen Blicken und hielt stand. Die erste Reaktion von ihm, rein visuell, kam bei mir so an: Was glotzt du mich so an? Die zweite: Wolfgang bist du es wirklich? Dann stand noch Jochen, DL2CX daneben, ebenfalls ehemaliger OM aus N30, der mich auch wiedererkannte. Großes Wiedersehen! Rolf forderte mich auf, ich sollte mich doch wieder an die gleiche Stelle zurückbegeben, weil beide noch auf Wolfgang, DK1FW, warteten. Mit ihm hatte ich zusammen bei Horst, DJ8CG, im Wohnzimmer das Morsen erlernt (Horst, nochmals vielen Dank für deine Mühen!) und damit auch die Lizenzprüfung bei der OPD Münster bestanden. Wolfgang sollte das Gleiche erleben wie Jochen und Rolf. Das war gelungen. Das Wiedersehen haben wir erst einmal gefeiert. Als ich dann beim DARC-Stand vorbeikam und auch noch las, dass man zum Messesonderpreis (halber Jahresbeitrag für ein Jahr) wieder eintreten kann, habe ich das gemacht. Erst war ich in dem virtuellen OV F87, weil ich mich zu Hause erst einmal umsehen wollte, welcher Ortsverband für mich am Besten sei.

 

Bei einer Weinveranstaltung bei uns auf dem Berg in Gau-Bischofsheim sehe ich einen riesigen Antennenmast stehen. Ich gehe dort hin und treffe auf Oliver, DL5WO. Ich gebe mich als DK2FQ zu erkennen und erfahre, dass es in Bodenheim, kaum 2 km von mir entfernt, den nächsten OV gibt. Dort bin ich dann eingetreten und fühle mich da sehr wohl. Inzwischen bin ich Kassierer und stellvertretender Vorsitzender. Nachdem ich ein Jahr im Ortsverband K56 war, sprach mich der OVV vor dem vereinsinternen Neujahrsempfang an, dass wir zwar leger gekleidet aber eben doch dem Anlass gemäß. Erst war ich verwundert über diese Ansage, aber während des Empfangs habe ich das plötzlich verstanden: Ich wurde für 40-jährige Mitgliedschaft im DARC geehrt. Damit ich auf den Bildern passend aussehe, war der Hinweis auf die Kleidung wertvoll. Aber da habe ich auch verstanden: Der DARC vergisst nichts. Die haben meine erste Mitgliedschaft mitgerechnet.   

 

Wöchentlich halten wir unsere OV-Abende ab. Jedes Jahr machen wir eine mehrtägige Reise. So waren wir schon in Nürnberg, München und Hamburg. 2015 waren wir in Berlin. In der Verbandsgemeinde Bodenheim sind wir auch bei der Kinder- und Jugendarbeit aktiv. 2013 haben wir mit den Kindern den "Heißen Draht" zusammengelötet. Im Jahr darauf folgte ein elektronischer Würfel. 2015 wagten wir den Bau eines MW/KW-Audion-Empfängers. Damit hatten wir uns übernommen. Die Kinder wurden in den vorgesehenen 4 Stunden nicht fertig. Uwe, DH2PC (unser OVV) und ich haben dann in stundenlanger Nacharbeit bei mehr als 30 Grad im Raum die fehlenden Bauteile eingelötet sowie die Fehler beseitigt. Es folgte das Projekt Elektromotor. 2017 haben wir ein Roboterauto gebaut. Es ist immer wieder eine Bereicherung, den Kindern 3-4 Stunden konzentriert bei der Sache zuzusehen.

 

Mein besonderes Interesse gilt den Antennen. So überlege und konstruiere ich mit Hilfe dem Antennensimulations-programm MMANA neue Formen. Wenn ich die dann in der Praxis nachbaue und mit dem Antennenanalyzer RigExpert AA600 nachmesse und es besteht Übereinstimmung mit den simulierten Daten, dann ist das immer eine große Freude für mich. Wenn dann auch noch gute Funk-Verbindungen damit gelingen, bringt das zusätzlichen Spaß. Inzwischen betätige ich mich auch bei der Vorbereitung zur Lizenzprüfung für unseren Vereinsnachwuchs. Inzwischen halte ich auch DARC-weit Vorträge (Präsenz oder auch online) über Antennenthemen.    

 

Den einen oder anderen Contest fahre ich auch mit und besuche regelmäßig die einschlägigen Amateurfunkausstellungen sowie andere Veranstaltungen. 

 

Seit 2019 habe ich das Format AfuBarCamp entdeckt. Das ist ein strukturierter DARC-weiter Austausch zu allen möglichen Amateurfunk-Themen. Dieses Format gibt es als 2-tägige Präsenzveranstaltung, aber auch als kürzere online-Version. Die Themen werden unter den Teilnehmenden erst zu Beginn einer Veranstaltung gesammelt. Wenn jemand z.B. noch nie etwas von FT8 gehört hat, kann er dieses Thema setzen. So entstehen hochinteressante Sessions vom Antennenbau über Morsen oder speziellen Betriebsarten. Inzwischen bin ich auch in der Organisation von AfuBarCamps tätig.

Wer mehr über AfuBarCamps wissen möchte: https://afubarcamp.de oder auch Berichte über vergangene AfuBarCamps lesen möchte, die findet man hier: https://afubarcamp.de/archiv 

   

So hat mich der Amateurfunk fest im Griff.                                                 

Veranstaltungen im OV-K56:                                  

https://www.darc.de/der-club/distrikte/k/ortsverbaende/56/veranstaltung-aktivitaeten/